Dieses Buch ist, nicht nur wegen seiner Schonungslosigkeit, eine Expedition zu den Wilden, den fremden Völkern in der eigenen Seele - wie es Michel Leiris ausgedrückt hat. Es geht um Selbsterfahrung und -darstellung in ihrer leidenschaftlichsten Form, wobei uns die Autoren Barwasser und Stauffer das Voyeuristische bald austreiben und das Nur-Behagen des interessierten Beobachters vergällen. Die Autoren stellen Fragen an sich selber, an den Mann. In Gesprächen, manchmal zu dritt mit einer Freundin oder einem Freund, beleuchten sie ihr Her- kommen und ihren Stand innerhalb einer männerorientierten Gesell- schaft, ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunftsperspek- tiven. Gegenseitig fordern sie sich zu Geständnissen heraus, wobei auch die Phantasie nicht außen vor bleibt. Entstanden sind intime, offene, radikale und leidenschaftliche Selbsterfahrungen und -darstel- lungen, aber auch Klartexte zur Männeraggressivität und -zufriedenheit. Da werden keine Rollen gespielt, keine Alternativen gesponnen und Utopien entwickelt. Nicht wie der Mann, ob hetero- oder homosexuell orientiert, sein könnte wird dargestellt, sondern seine Rolle zum gegen- wärtigen Zeitpunkt hinterfragt, ohne Selbstverherrlichung oder Larmoy- anz offengelegt.


Karlheinz Barwasser und Robert Stauffer: 2 Männer
Leben, Lieben, Phantasie, Förtner & Kroemer Köln 1987, ISBN 3-924366-47-0