»Wir werden Sie aber laufend auf dem Laufenden halten.«
»Der amerikanische Präsident sagt, er schlafe auch in diesen Tagen sehr gut.«
»Während Sie jetzt zu uns reden, überwacht ein militärischer Zensor Ihre Aussagen?« »Ja. Er steht mir direkt gegenüber.«



Golfkrieg 1991.

Für Millionen geriet der hunderttausendfache Tod in Kuwait und in den Grenzen des Zweistromlandes zum »Videospiel«, zum »Krieg der Knöpfe«, zum Medienspektakel in Hörfunk und Fernsehen, zentral gesteuert durch die Zensur der Militärs.
Von der Nacht des Ultimatumsablaufs bis zum Kriegsende »ohne wirk- liche Opfer« überschlug man sich in Hörfunk und Fernsehen mit »Infor- mationen« und, wo diese nicht ausreichten, weil sie nie ausreichten, mit Meinungen, Mutmaßungen und Propaganda: Eine Flut der Halb- und Viertelwahrheiten; Desinformation und Deformation, mediengerecht gestylt und serviert. Eine Agonie des Realen: Die Wirklichkeit ließ sich »entwirklichen«.

Doch der Golfkrieg war nur im mythologisierten Selbstverständnis des Westens ein mediales Ereignis. In Wahrheit, in der Realität, kostete der Krieg, auch wenn bis heute keiner konkrete Zahlen vorgelegt hat, über 100.000 Menschen das Leben.

Der Autor hat während des Golfkriegs im Januar/Februar 1991 fast rund um die Uhr die Berichterstattung darüber im Radio und im TV mitge- schnitten. Aus über 400 Stunden Originaltonmaterial hat er 21 Minuten destilliert und zu einer Collage zusammengestellt, aus der der Verlaut- barungsjournalismus und das verlogene Pathos der Kriegswochen in allen Umrissen ermessen werden kann; so wird noch einmal ins Be- wußtsein dringen, wie seinerzeit die »Wahrheit« unter die Räder kam. Dabei will der Autor keine Anklage erheben, sondern die Bruchstellen der Ideologien herausstellen und den Widerspruch, der Erkenntnis um die Manipulation des Nachrichtenmaterials zum Trotz weiter zu sen- den, aufzeigen.
Fritz Pleitgen, WDR: »Wir Berichterstatter haben denen in die Hände gearbeitet, die das so wollten. Und irgendwann werden sich diese Leu- te daran erinnern, daß man die Presse ausschalten darf und daß die Bevölkerung dafür Verständnis hat.«

Aus Barwassers Collage, die sich ganz auf das akustische Protokoll verläßt, wird deutlich, wie sehr »heilige Kriege«, »gerechte Kriege« und nicht zuletzt »Medienkriege« grimassierende Verwandte sind.


Babylon. Eine Deformation
Eine MedienkriegsCollage aus Originaltönen von Karlheinz Barwasser
Regie und Produktion: Der Autor im Auftrage des Bayerischen Rundfunks
BR / DS-Kultur / RB / ORF / SDR / SWF © 1991
Spieldauer: 21:04 Stereo