Mitte der 60er Jahre wurde der erste Höhepunkt der unbedenklichen Verschreibung von Psychopharmaka erreicht. »Frei und losgelöst vom Relief angstverursachender Emotionen und ihren vielseitigen somati- schen Folgeerscheinungen gelangt der Patient, der X erhält, in den Be- reich einer neuen Dimension des Befindens« - so warb einer der füh- renden Pharma-Hersteller der Schweiz.

Die Hörspielgroteske Brilium, 1965 geschrieben, stieß damals auf ent- rüstete Ablehnung und Unverständnis, galt als die »Verunglimpfung des Ärztestandes, der Psychiater und der Arzneimittelhersteller«. In die Hörspielgeschichte ist das Stück dennoch eingegangen, nicht zu- letzt durch das in ihm vorkommende Nonsenswort »Slábbész«, was soviel wie total umnebeltes Einverständnis und den radikalen Kniefall vor den Göttern in Weiß bedeutet.

In einer dramaturgisch und stilistisch aktualisierten Fassung durch Karlheinz Barwasser kam dieser Erstling Robert Stauffers, von Hans Rochelt für den Österreichischen Rundfunk inszeniert, nach genau einem Vierteljahrhundert zur Ursendung.

»Brilium« ist das makabre und groteske Spiel um den Mißbrauch ei- nes Tranquilizers in einer privaten Nervenheilanstalt, in die sich die Mehrheitsaktionärin der Sonda-Chemischen als vermeintlich Kranke einschleicht, um ihre »Wunderpille« an den Mann und die Frau zu brin- gen - und das mit allen Mitteln.


Brilium. Eine Hörspielgroteske von Karlheinz Barwasser und Robert Stauffer
Mit Sigrid Marquardt, Ursula Schult, Franz Reichert, Dietrich Hollinderbäumer,
Rolf Truxa, Erich Schenk, Helmut Schleser
Tontechnik: Ing. Karl Kraus, Aufnahme und Schnitt: Erna Strnad
Regieassistenz: Karlheinz Barwasser, Regie: Hans Rochelt
Produktion: Österreichischer Rundfunk © 1990
Spieldauer: 60:59 Stereo