Gustav K: Meine Frau, die starb. Und ich war ewig bei den Stadtwer- ken, 30 Jahre. Und da kam eines Tages ne Dame angefahren und hat gefragt: Möchten Sie gerne ins Altenheim? Meine Antwort war sofort: Das geht nicht, denn ich werd ja erst mit 63 pensioniert. - Doch, das geht, das haben wir soweit schon alles klar, Sie kommen in ein Alten- heim. Ich sag: Wie kommen Sie denn darauf? - Wir haben beschlos- sen, Sie sind über 30 Jahre dabei, und Sie können ins Altenheim ge- hen, Sie werden pensioniert. Das hat sie mir so hintenherum schon beigebracht. Und ich war so blöd, ich denke, 30 Jahre hast du da gear- beitet und morgen darfst du nicht mehr arbeiten, du bist jetzt frühpensi- oniert. Als wenn ich wer weiß was verbrochen hätte. Ich hatte die Trä- nen in den Augen und habe gesagt, ich wollte mir das mal überlegen. Ja, und dann kam ich in ein Altenheim nach Hölkesöde. Ich hab ge- dacht, im Heim, da hast du deine Ruhe, dein Zimmer, gehst spazieren, machst, was du willst.

Grete K: Uns hat man verboten zu heiraten. Die Leiterin hat gesagt: Sie können Herrn K. nicht heiraten, denn der hat einen Pfleger... Da können Sie nicht machen, was Sie wollen, das bestimmen wir. Und ich habe gesagt: Das wird sich ja noch finden, wer da bestimmt. Bin zum Rechtsanwalt gegangen mit dem Gustav und habe die Sache aufrollen lassen. Dann sind wir vor dem Sommerfest abgehauen und haben am 23. August geheiratet. Alle haben sich dagegen gewehrt, der Pfleger hat sich dagegen gewehrt, die Heimleitung hat sich gewehrt, alle ha- ben schriftliche Eingaben gemacht. Aber nichts hat gefruchtet, das Standesamt hat uns getraut. Aus.


Der Deuvel ist bang vor mir
Ein Hörstück über Menschen im Alter
Von Dagmar Töpfer und Karlheinz Barwasser
Tontechnik, Regie und Produktion: die Autoren
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Spieldauer: 44 Stereo