»In ‘Fleisch: Köder’ verfügt Karlheinz Barwasser über einen enormen Fundus an Vokabular. Mit diesem verkürzt er, staut, knappt die Spra- che auf das Essentielle hin und treibt sein Sujet immer mehr in eine Verschärfung. So gelingt ihm die schonungslose Auslotung einer schier unerträglichen Erfahrung: Wo und wie einem innere und äußere Reaktionen widerfahren, wenn man mit einem Todesurteil im Körper zu leben gezwungen ist. Seine Gedichte durchqueren unsere Intelligenz, sie erhellen sie, reißen sie - wie im Vorübergehen - auf und dringen so durch das Denken zum Fühlen und zum Empfinden vor: Eine Lese- Wirkung, die nur wenige deutsche Autoren der Gegenwart hervorzu- rufen vermögen.

Barwasser sind intensive Gedichte gelungen, die die Wirklichkeits- wahrnehmung und Wirklichkeitsdarstellung eines Menschen erfahrbar machen, der in den Bannkreis des Todes geraten ist und kraft seiner Krankheit über eine schreckliche Macht verfügt: Sein eigenes Schick- sal an andere weiterzugeben.

Barwasser beschäftigt sich mit dieser Thematik nicht nur, um nach- zuvollziehen, zu verstehen oder zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch, um zu widersprechen. Was soviel heißt wie: Es tief ernst zu nehmen.«
Gudrun Bouchard

Fleisch: Köder, Gedichte, Stora Verlag München 1998, ISBN 3-929045-64-8