11. September 2001: Terroristen lenken entführte Verkehrsflugzeuge in die Zentren der politischen und wirtschaftlichen Macht Amerikas, stür- zen eine Nation in Angst und Panik und erklären damit den USA, so ihr Präsident George W. Bush, »den Krieg«. Kalkuliert benutzen die Terroristen dabei die Medien ihres Gegners und der restlichen Welt - das Ungeheuerliche aus Horror- und Katastrophenfilmen ist Wirklich- keit geworden.
Bilder und Originaltöne von den Inferno-Schauplätzen speichern sich ins kollektive Gedächtnis. Die Medien bedienen uns Konsumenten, rund um die Uhr wird gesendet, ausgestrahlt, gedruckt und sonder- gesendet, immer wieder sind es die gleichen Szenarien, zwar fernab des heimischen Wohnzimmers, aber dennoch so, als sei man mitten im Horror, versehen mit dem Inszenierungsfaktor des totalen Kriegs- theaters, »eine Art Manta des Grauens in 100facher Wiederholung«
(Die Zeit). Die Medien machen aus der Katastrophe einen Filmtitel, einen Videoclip, der nonstop ausgestrahlt wird und sämtliche Urängste der Menschheit bedient. »Bilder, so lange gesendet und gedruckt, bis sie sich in das Bewußtsein einfräsen wie die Nadel des Radierers in den Stahl - und es sind Bilder, die wir wiedererkannten, weil wir längst ähnliches gesehen hatten. Wir mochten uns vor den Horrorszenarien fürchten und wir lebten doch gerne mit ihnen. Horror und Fiktion unter- hielten uns gut.« (Christoph Lindenmeyer, Bayerischer Rundfunk)
Nicht zuletzt führt die Art der Berichterstattung zumindest in den USA zu einem überhitzten Patriotismus, abweichende Stimmen und Kritik, so werde der Krieg mit PR-Methoden verkauft, werden als »zutiefst unmoralisch« bezeichnet, klare Analysen sind weniger gefragt. Nicht zuletzt sind die Erwartungen der Öffentlichkeit mit einer Kriegsrhetorik so hochgetrieben worden, daß sie dringend weitere Bilder braucht. Auch wenn »durch die permanente Wiederholung, das wissen wir aus der Werbung und Wahrnehmungspsychologie, das Ereignis immer weniger real wird.« (Stern) Wiederholung befreit schließlich von den Ängsten, die man spontan empfunden hat, das Szenarium wird zur Ikone, zu einem Bild im Kopf, das seinen Schrecken verliert.


WAR!  Eine MedienOriginaltonCollage von Karlheinz Barwasser
Tontechnik und Regie: der Autor
Produktion: Robert Stauffer und Karlheinz Barwasser
Spieldauer: 51:18 Stereo
© 2001 All rights reserved